Wasserdruck und Wassermenge im Garten messen: der Eimertest
Jede Bewässerungsanlage steht und fällt mit einer Zahl: der Wassermenge, die Ihr Anschluss tatsächlich liefert. Sie entscheidet darüber, wie viele Regner gleichzeitig laufen können und ob Ihr Garten mit einem Bewässerungskreis auskommt oder zwei braucht. Geschätzt wird diese Zahl oft, gemessen selten. Dabei dauert die Messung zwei Minuten.
Warum der Druck allein nichts aussagt
Viele Gartenbesitzer kennen den Druck ihrer Hausleitung in bar und halten das für die entscheidende Angabe. Das ist es nicht. Ein Anschluss kann hohen Druck anzeigen und trotzdem zu wenig liefern, weil ein enger Querschnitt, ein Druckminderer oder ein langer Schlauch die Durchflussmenge begrenzt. Für die Auslegung zählt, wie viele Liter pro Stunde ankommen, nicht mit welchem Druck sie anstehen.
Der Eimertest
Sie brauchen einen Eimer mit bekanntem Inhalt und eine Stoppuhr. Öffnen Sie den Hahn vollständig und stoppen Sie, wie lange das Befüllen dauert. Daraus ergibt sich die Fördermenge:
Wassermenge in m³/h = Eimerinhalt in Litern × 3,6 ÷ Füllzeit in Sekunden
Ein Beispiel: Ein 10-Liter-Eimer ist nach 30 Sekunden voll. Die Rechnung lautet 10 × 3,6 ÷ 30 = 1,2 m³ pro Stunde.
Drei Fehler, die das Ergebnis verfälschen
- Mit Schlauch gemessen. Messen Sie möglichst direkt am Wasseranschluss. Jeder Meter Gartenschlauch und jede Kupplung kostet Durchfluss, und die Anlage wird später nicht am Schlauch hängen.
- Druckminderer dazwischen. Ein vorgeschalteter Minderer drückt die Menge, die Sie messen, aber nicht zwingend die, die der Anlage zur Verfügung steht.
- Hahn nicht ganz offen. Der Kugelhahn muss vollständig geöffnet sein, sonst messen Sie die Stellung des Hahns und nicht die Leistung der Leitung.
Welcher Wert reicht wofür
Für die Rotatoren, die wir in nahezu allen Projekten einsetzen, brauchen Sie mindestens 1,2 m³ pro Stunde. Das entspricht genau dem Beispiel oben: ein 10-Liter-Eimer in rund 30 Sekunden. Liegt Ihr Wert darunter, heißt das nicht, dass eine Bewässerung unmöglich ist. Es heißt, dass die Fläche auf mehrere Kreise aufgeteilt werden muss, die nacheinander laufen. Wie das funktioniert, steht im Beitrag über Bewässerungskreise.
Zisterne und Brunnen: hier zählt die Pumpe
Bei einer Zisterne steht praktisch kein Druck an, die Leistung kommt vollständig aus der Pumpe. Eine übliche Pumpe sollte im Betrieb etwa 3,5 bar liefern, damit die Anlage ordnungsgemäß arbeitet. Bei einem Brunnen entnehmen Sie Förderhöhe und Fördervolumen der Kennlinie der Pumpe, beide Werte müssen zum System passen.
In beiden Fällen gehört ein Filter in die Leitung. Regenwasser aus der Zisterne führt Sedimente mit, Brunnenwasser Sand. Beides setzt Ventile und Düsen zu, und zwar nicht sofort, sondern schleichend über eine Saison. Passende Pumpen und Anschlusssets finden Sie unter Einzelteile.
Wann Sie messen sollten
Vor dem Kauf. Die Sofort-Boxen sind für gängige Gartengrößen ausgelegt, setzen aber eine ausreichende Wassermenge voraus. Bei hohem Bedarf oder schwacher Pumpleistung ist eine Planung sinnvoller, weil die Anlage dann von vornherein in mehrere Kreise geteilt wird. Zwei Minuten mit dem Eimer ersparen Ihnen die Erkenntnis, dass die letzten beiden Regner nur noch tröpfeln.